Der beschissene Nachbar

Nichtsahnend bin ich heute Mittag vom Aufzug den Gang zu unserem Zimmer entlang gegangen, da kam der beschissene Nachbar plötzlich aus seiner Tür und mir entgegen. Und wie er mich da plötzlich so unerwartet anblitzt und dann wieder so höhnisch grinst, ist es plötzlich einmal zu oft und mir platzt der Kragen, und dann kann ich mich kurz kaum noch an was erinnern, aber ich habe ihm auf jeden Fall mit dem Handballen gegen die Stirn gehauen und er ist umgefallen und lag dann da bewusstlos. Ich bin total erschrocken und wusste zuerst nicht, was ich tun soll, habe dann aber schnell in seiner ekligen Hose nach den Schlüsseln gekramt, die Tür aufgesperrt und ihn reingezerrt, aufs Bett gezerrt und so an die Backe getätschelt wie man das aus dem Fernsehen kennt. In der Wohnung hat es krass gestunken, davon hat mir meine Freundin gar nichts erzählt. Dabei war es wirklich übel eklig, wie als hätte da einer reingeschissen. Jedenfalls ist er von dem Getätschel wach geworden und ich war erleichtert und im selben Augenblick schon wieder stocksauer. Warum habe ich wegen diesem Hurenbock solche Scherereien? Es war doch immer alles so friedlich.
Dann habe ich gemerkt, wie er plötzlich Angst vor mir hat. „Bitte, nicht schlagen!“ hat er gebettelt und wirres Zeug gestammelt, wie „es war doch nur das eine Mal!“ und so was, und da habe ich die Gelegenheit genutzt und gerufen: „Du dummes, verwichstes Mistvieh!“ Und dann noch lauter: „Wenn du mich noch einmal so anschaust, hau ich dich kaputt, kapiert? Wenn du mich in der Zukunft triffst, schaust du auf den Boden, kapiert?“
„Ja, kapiert“, hat er dann gewinselt, und dann war eigentlich alles besprochen. „Ich gehe jetzt wieder“, habe ich gesagt und bin gegangen.
Daheim, also im Zimmer nebenan, war mir plötzlich total seltsam zumute. Ich kam mir richtig stark vor. Ich war den ganzen Nachmittag noch wie aufgeputscht, jetzt am Abend und nach dem Kochen erst fand ich die Ruhe, das aufzuschreiben. Zwar war es nur ein Versehen, aber vielleicht sollte man manchmal absichtlich gewalttätig werden.

Zu den Rosenkohlkartoffeln an Walnusswirsingcreme, dem Festschmaus zum Heilig-Drei-König-Tag!

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