Fronleichnam

Heute ist Prangertag, Blutstag oder Fronleichnam, wie die meisten Leute sagen, bloß weil es so im Kalender steht. Man kann doch einfach mal bei Wikipedia schauen, wie man noch sagen kann, oder? Aber das macht natürlich niemand, weil alle so Lämmer sind. Hocken da und fressen Zeug in sich rein und denken nicht eine Minute nach. So sieht es nämlich aus! Zwei Wochen ohne Essen, was sagt Ihr jetzt!? Das geht nämlich, das kann jede*r. Man braucht bloß die Disziplin. Und dann ist man völlig frei im Kopf, bzw. sieht alles klar, so wie es ist. Da sind nämlich eine Menge Sachen. Ich nummeriere sie besser durch, damit Ihr mitkommt.

1. Ich gehe spazieren draußen und ich kicke so gegen einen Stein, schaue dahin, schaue dorthin und denke nichts Böses. Da sehe ich auf einmal eine, keine Ahnung, warum die so herschaut, aber dann, weil was soll’s schon, bleibe ich stehen und rufe zu ihr rüber: „Was ist los?“ Und dann kommt sie auf mich zu und ich denke mir langsam: Oh, scheiße, die kennst du … oder doch nicht? … oder doch? Und dann bleibt sie vor mir stehen und sagt: „Hallo, erkennst du mich nicht?“ Und dann erkenne ich sie schon, sie sagt es aber auch: Dass sie mal kurz meine Nachbarin war. Also vor Kurzem ganz kurz. Nachdem der Husten-Heinrich ausgezogen ist. Husten-Heinrich: So habe ich den JETZT spontan genannt. Weil einem so was einfällt, wenn man den Wanst nicht voll hat mit Fressalien.
Und ich so: „Ja, stimmt!“
Und sie so: „Wollen wir ein bisschen spazieren gehen?“
Und ich: „Ja, okay.“
Und dann gehen wir so und sie labert und labert und ich denke, dass ich alles ganz genau mitbekomme, aber dann fragt sie plötzlich was und ich habe keine Ahnung, worum es geht. Und dann stehen wir plötzlich wieder vor dem Haus, in dem sie wohnt, und eigentlich fast auch vor dem Haus, in dem ich wohne, weil die ja nebeneinander stehen, und dann fragt sie mich, ob ich mit hochkommen will und ich sage: „Okay meinetwegen“, weil was soll’s schon, gehe ich halt mit hoch, und dann trinken wir Limo, weil Kaffee trinke ich keinen zur Zeit, und dann erzähle ich ihr von den Filmen, die ich immer geschaut habe, die aus den 70ern, und dann packt sie mir plötzlich an den Pimmel und ich erschrecke zuerst, dann wird er aber sofort steif und sie packt ihn aus und zieht sich aus und dann mich, so schnell, dass ich es fast gar nicht checke, aber sie langt alles an, so richtig, überall, und es geht voll ab, das habe ich überhaupt noch nie erlebt, mir wird schwarz vor Augen, aber nur kurz, und dann wichse ich ab wie früher als Teenager, so richtig derb, und sie stöhnt so, das habe ich noch nicht gehört, in echt jedenfalls nicht, glaube ich, und dann wird mir wieder ganz schwindlig, und plötzlich bin ich wieder unten auf der Straße. Und dann denke ich so, dass ich das gar nicht erleben hätte dürfen, weil ich ja verheiratet bin, und dann dreht es mich voll und ich denke, dass mir das passiert ist wie in einem Traum, also dass es mir vielleicht gar nicht passiert ist. Und dann denke ich daran, wie mein Frau immer nur so ausgebreitet daliegt und die Augen verdreht, wenn ich nicht gleich reinkomme. Dass ich da überhaupt noch einen Ständer bekomme, da sollte man mal drüber nachdenken, weil meistens macht mich die Situation gar nicht geil, sondern mehr wütend, und dann pumpe ich rein und dann komme ich auch eigentlich immer gleich und dann ist es auch schon vorbei, ist mir aber auch scheißegal. Jedenfalls brauche ich kein schlechtes Gewissen haben, weil wen juckt es schon, was wirklich passiert ist und was nicht. Wenn man so lebt wie ich, spielt das gar keine Rolle. Was man will oder nicht will und was man sich absichtlich oder unabsichtlich vorgestellt hat und was dann wirklich passiert ist, das geht eigentlich gar niemanden was an, das kümmert auch niemanden. Mich jedenfalls nicht.

2. Die Freimaurer haben mir immer noch nicht die E-Mail geschickt. Dafür hat mir irgend so eine Tante bei Facebook ein saudummes Gedicht geschickt. Da geht es um die Freimaurerei. Und da hat sie so geschrieben: „könnte dir gefallen“. Die hat keine Ahnung. Da steht: „Die Reise wird wohl ungenau / Der Templer stellt seine Pracht zur Schau“ Der Templer stellt aber gar nicht seine Pracht zur Schau, der ist bescheiden wie nochmal was. Da merkt man gleich: Völlige Nullpeilung, null Ahnung von der Welt. Voll zum kotzen.

3. Männer haben wegen Frauen am meisten Angst, weil sie sie vielleicht auslachen. Frau haben wegen Männer am meisten Angst, dass sie sie vielleicht umbringen. Das ist doch lächerlich. Immer gleich so zu übertreiben. Nur weil statistisch öfter Frauen von Männern umgebracht werden als andersrum. Wer schreibt die Statistiken überhaupt. Hat sich das vielleicht schon mal jemand gefragt.

4. Ich habe nichts gegen Verschwörungstheorien, weil das meiste davon wahrscheinlich stimmt. Aber wenn eine Verschwörungstheorie von einer anderen abgelöst wird, muss man das akzeptieren, und nicht ewig darauf herumreiten und behaupten, dass das immer noch genau so ist, wie man mal gedacht hat. Manchmal ändert sich einfach was. Basta.

Hunger

Jetzt ist schon Tag 4 und eigentlich müsste es langsam besser gehen, aber ich habe immer noch Hunger und ich kann nicht mal mehr bei meiner Frau im Bett schlafen. Nachts muss sie immer bis kurz vorm Einschlafen Kekse essen, deswegen kann sie sich auch nie die Zähne putzen. Oft isst sie gar keine mehr, sagt aber, dass sie sich die Option offenhalten will, und ich weiß dann nie, ob es jetzt vorbei ist oder gleich wieder losgeht. Die scheiß Knusperei. Jeden Moment könnte es so weit sein. Und ich kann an gar nichts anderes denken. Zum Glück habe ich den Schlauch.

Zu Gast bei den Freimaurern

Ich bin voll hungrig bei den Freimaurern angekommen und hatte eigentlich schon gar keine Nerven mehr, weil boah … wenn man nichts isst … man will eigentlich zu allen bloß sagen: „Halt’s Maul! Weiß du eigentlich, wie es mir geht? Also, halt’s Maul!“ Aber das kann man ja gerade bei den Freimaurern nicht bringen, weil da geht es ja darum, sich zu verbessern. Und dann war ich da eben als Gast. Ich wurde begrüßt von so ein paar einzelnen, ganz zwanglos, und die haben auch gleich gefragt, ob alles in Ordnung ist, und ich immer nur so: „Ja, ja …“ Wie das halt ist, wenn man gefragt wird, wie es einem geht oder ob es einem gut geht. Als ob da schon jemals jemand gesagt hätte, dass es ihm nicht gut geht. So ein Scheiß. Wenn ich was zu bestimmen hätte, würde ich das verbieten lassen, dass die Leute sich das fragen. Ich würde da Strafen drauf verhängen. Richtig schlimme vielleicht sogar. Wenn man auf so kleine Delikte, die es eigentlich echt nicht bräuchte, voll krasse Strafen verhängen würde, dann würde sich das jede*r verkneifen und dann gäbe es bald keine Kleinkriminalität mehr. Die ist ja Ursprung allen Übels. Der Keim. Keine Kleinkriminalität = keine Großkriminalität. So einfach ist das. Aber das kapiert der Gesetzgeber ja nicht.
Ich wurde dann auch in der großen Runde nochmal begrüßt und als Gast vorgestellt und ich habe gleich abgewunken, damit sie sehen, dass ich bescheiden bin. Und dann hat irgend so ein Typ, vielleicht gerade Lehrling oder auch schon Geselle, das hat er nicht dazugesagt, einen Vortrag gehalten, über Bandscheiben. Also, die Dinger im Rücken. Und das ging und ging, also ich meine, das hat gedauert, ey … puh … Wenn ich jetzt daran denke, wird mir noch ganz schwummrig … So eine Scheiße! Da geh ich zu den Freimaurern und lass mich über Bandscheiben volllabern. Einmal habe ich dann so gerufen: „Ey, laber nicht!“ Ich dachte, damit könnte ich gleich zeigen, dass ich auch Humor habe. Aber so richtig gelacht hat niemand, vielleicht geschmunzelt. Das kriegt man ja immer nicht so mit, wenn geschmunzelt wird. Und vornehme Leute neigen ja zum schmunzeln, die lachen nur ganz selten, und laut schon gar nicht. Die machen gar nichts laut. Wenn die auf dem Klo hocken, drehen sie den Wasserhahn und die elektrische Zahnbürste an, damit sie es nicht hören müssen, wenn einer ihrer Fürze laut ist. Die schämen sich für ihre eigenen Fürze. Das ist echt so. Ich habe mal einen ziemlich langen Artikel über vornehme Leute gelesen. Scheiße, jetzt weiß ich nicht mehr, wie er hieß. Aber wenn man danach googelt, findet man vielleicht was. Bestimmt findet man was, irgendwas findet man ja immer. Na jedenfalls, so Typen sind das, die Freimaurer. Ich war heilfroh als es rum war. Ich war dann auch schon die Treppe runter und bin dann nochmal zurück, weil ich ganz vergessen hatte zu fragen, ob ich jetzt Mitglied bin oder was ich noch machen muss. Ich bin also wieder hoch und dann wird mir auf einmal ganz schwarz vor Augen und ich zittere so ein bisschen, Kreislaufprobleme, und dann denke ich: Okay, geh aufs Klo, da gibt es kühles Wasser aus dem Hahn. Ich hatte dann kurz einen Blackout, aber dann habe ich Wasser getrunken und es ging langsam wieder. Und ich hing so auf dem Klo rum und mir fiel ein, dass ich mich beeilen muss, damit die mich hier nicht einsperren. Das wäre ja auch krass: Eine Nacht im Logengebäude. So ganz allein. Nur ich. Peter allein im Logengebäude. Das wäre einen Film wert. Wie „Kevin allein zu Haus“ oder „Kevins Cousin allein im Supermarkt“, den fand ich besser, weil der nicht so kindisch war. Der Cousin war auch schon älter. Wie alt genau, weiß ich nicht mehr. Ist auch schon ein bisschen her, dass ich den gesehen habe. Aber Mitte zwanzig bestimmt, eher Ende. So 28 würde ich sagen. Der hatte auch schon eine voll hübsche Freundin, wenn ich mich nicht täusche. Aber ja: Raus aus dem Klo. Zurück in diesen Sitzungsaal, nochmal mit den Freimaurern sprechen. Ich stehe also auf, ganz vorsichtig, also langsam, und gehe zu dem Saal, öffne die Türe und alle schauen mich entgeistert an. Wie als ob ich ein Gespenst wäre oder was. Schräge Vögel, ey. Einer hält ein Glasgefäß in der Hand, wie so eine Vase, und da sind lauter schwarze Murmeln drin. Was geht ab? Und jetzt sagt ein anderer: „Darf ich Sie bitten, den Raum zu verlassen?“ Und noch ein anderer steht auf und kommt zu mir her und sagt ganz ruhig dasselbe. Und ich so: „Was geht hier ab? Was macht ihr da?“ Und er so: „Bitte gehen Sie jetzt, Sie hören von uns.“ Und ich: „Was höre ich? Was höre ich von euch?“ Und dann wird mir auf einmal wieder ganz zweierlei und ich gebe nach. „Ist Ihnen nicht gut?“, fragt der Typ dann auf einmal wieder. „Möchten Sie sich setzen?“ Und ich so: „Nein, nein, alles okay. Ich gehe jetzt, aber ich bekomme dann eine E-Mail oder was?“ Und der Typ: „Ja.“ Und darauf bin ich dann eben abgezogen.

Nichts essen

Ich habe jetzt wirklich schon seit zwei Tagen nichts gegessen, das kommt echt krass. Vor allem, weil mir jetzt erst auffällt, wie meine Frau sich ununterbrochen Essen reinstopft. Es vergeht keine Stunde, in der man es nicht in der Wohnung rascheln hört (Kekspackung) oder irgendwie Töpfe klappern oder der Kühlschrank auf- und zugeht. Ey, das stresst mich voll. Das ist auch alles so laut die ganze Zeit. Dass man das nicht mal leiser machen kann. Ich darf aber keine Kritik äußern, sonst heißt es gleich: „Iss halt was.“ Ich fühle mich echt unverstanden. Aber mein Wille ist stark. Und einen starken Willen kann man nicht brechen. Ich mache meine Zimmertüre zu, aber man hört es die ganze Zeit durch. Ich versuche immer wieder, ob ich schlafen kann, damit die Zeit schneller vergeht. Vorhin habe ich geträumt, wie ich schwach daliege, auf einem steinigen Weg, und manche der Steine waren ganz spitz und scharfkantig und haben sich mir in die Seite gebohrt. Und dann habe ich an der Brust zu bluten begonnen und das Blut ist in den Sand eingesickert, und dann kam so ein Geier und hat mich ganz starr angestarrt mit seinen Geieraugen und dann war es plötzlich meine Frau, oder immer noch der Geier, vielleicht eine Mischung, jedenfalls bekomme ich gerade noch mit, wie das Vieh sein Maul aufreißt und attackiert – und plötzlich liege ich wieder im Bett, mit Herzrasen, total verschwitzt. Zuerst merke ich gar nicht, dass ich Hunger habe. Und dann höre ich es schon wieder von drüben rascheln.

BO

Ja, die haben früher immer viele gehört, und ja, mir war das auch immer zu brutal irgendwie, aber wenn man sich die Texte mal in Ruhe durchliest, muss man schon sagen, dass da eine gewisse Unterstützung für den Tag davon ausgeht, dass man dabei viel lernt, auch über Verhaltensweisen und so. Dass man den Tag nicht vor dem Abend loben soll, so was hat man ja schon mal gehört, aber da gibt es noch viel mehr so Zeilen zu entdecken, die einen irgendwie lenken und weiterhelfen. Kennt noch jemand Knigge? Das war so ein Typ, schon ewig tot, der hat viel über den Umgang untereinander nachgedacht und aufgeschrieben, damit man weiß, wie man sich besser benimmt. Das ist schon total veraltet und hundert Seiten lang, aber es gibt immer noch Leute, die jetzt ihre Bücher Knigge nennen, da stehen dann halt meistens Regeln drin. Aus den Onkelz-Texten müsste man so ein Buch machen, einen Onkelz-Knigge. Ich würde das sofort kaufen. Das würden dann bestimmt auch die ganzen anderen kaufen, die die Onkelz-Lieder nie hören wollten.