Zu Gast bei den Freimaurern

Ich bin voll hungrig bei den Freimaurern angekommen und hatte eigentlich schon gar keine Nerven mehr, weil boah … wenn man nichts isst … man will eigentlich zu allen bloß sagen: „Halt’s Maul! Weiß du eigentlich, wie es mir geht? Also, halt’s Maul!“ Aber das kann man ja gerade bei den Freimaurern nicht bringen, weil da geht es ja darum, sich zu verbessern. Und dann war ich da eben als Gast. Ich wurde begrüßt von so ein paar einzelnen, ganz zwanglos, und die haben auch gleich gefragt, ob alles in Ordnung ist, und ich immer nur so: „Ja, ja …“ Wie das halt ist, wenn man gefragt wird, wie es einem geht oder ob es einem gut geht. Als ob da schon jemals jemand gesagt hätte, dass es ihm nicht gut geht. So ein Scheiß. Wenn ich was zu bestimmen hätte, würde ich das verbieten lassen, dass die Leute sich das fragen. Ich würde da Strafen drauf verhängen. Richtig schlimme vielleicht sogar. Wenn man auf so kleine Delikte, die es eigentlich echt nicht bräuchte, voll krasse Strafen verhängen würde, dann würde sich das jede*r verkneifen und dann gäbe es bald keine Kleinkriminalität mehr. Die ist ja Ursprung allen Übels. Der Keim. Keine Kleinkriminalität = keine Großkriminalität. So einfach ist das. Aber das kapiert der Gesetzgeber ja nicht.
Ich wurde dann auch in der großen Runde nochmal begrüßt und als Gast vorgestellt und ich habe gleich abgewunken, damit sie sehen, dass ich bescheiden bin. Und dann hat irgend so ein Typ, vielleicht gerade Lehrling oder auch schon Geselle, das hat er nicht dazugesagt, einen Vortrag gehalten, über Bandscheiben. Also, die Dinger im Rücken. Und das ging und ging, also ich meine, das hat gedauert, ey … puh … Wenn ich jetzt daran denke, wird mir noch ganz schwummrig … So eine Scheiße! Da geh ich zu den Freimaurern und lass mich über Bandscheiben volllabern. Einmal habe ich dann so gerufen: „Ey, laber nicht!“ Ich dachte, damit könnte ich gleich zeigen, dass ich auch Humor habe. Aber so richtig gelacht hat niemand, vielleicht geschmunzelt. Das kriegt man ja immer nicht so mit, wenn geschmunzelt wird. Und vornehme Leute neigen ja zum schmunzeln, die lachen nur ganz selten, und laut schon gar nicht. Die machen gar nichts laut. Wenn die auf dem Klo hocken, drehen sie den Wasserhahn und die elektrische Zahnbürste an, damit sie es nicht hören müssen, wenn einer ihrer Fürze laut ist. Die schämen sich für ihre eigenen Fürze. Das ist echt so. Ich habe mal einen ziemlich langen Artikel über vornehme Leute gelesen. Scheiße, jetzt weiß ich nicht mehr, wie er hieß. Aber wenn man danach googelt, findet man vielleicht was. Bestimmt findet man was, irgendwas findet man ja immer. Na jedenfalls, so Typen sind das, die Freimaurer. Ich war heilfroh als es rum war. Ich war dann auch schon die Treppe runter und bin dann nochmal zurück, weil ich ganz vergessen hatte zu fragen, ob ich jetzt Mitglied bin oder was ich noch machen muss. Ich bin also wieder hoch und dann wird mir auf einmal ganz schwarz vor Augen und ich zittere so ein bisschen, Kreislaufprobleme, und dann denke ich: Okay, geh aufs Klo, da gibt es kühles Wasser aus dem Hahn. Ich hatte dann kurz einen Blackout, aber dann habe ich Wasser getrunken und es ging langsam wieder. Und ich hing so auf dem Klo rum und mir fiel ein, dass ich mich beeilen muss, damit die mich hier nicht einsperren. Das wäre ja auch krass: Eine Nacht im Logengebäude. So ganz allein. Nur ich. Peter allein im Logengebäude. Das wäre einen Film wert. Wie „Kevin allein zu Haus“ oder „Kevins Cousin allein im Supermarkt“, den fand ich besser, weil der nicht so kindisch war. Der Cousin war auch schon älter. Wie alt genau, weiß ich nicht mehr. Ist auch schon ein bisschen her, dass ich den gesehen habe. Aber Mitte zwanzig bestimmt, eher Ende. So 28 würde ich sagen. Der hatte auch schon eine voll hübsche Freundin, wenn ich mich nicht täusche. Aber ja: Raus aus dem Klo. Zurück in diesen Sitzungsaal, nochmal mit den Freimaurern sprechen. Ich stehe also auf, ganz vorsichtig, also langsam, und gehe zu dem Saal, öffne die Türe und alle schauen mich entgeistert an. Wie als ob ich ein Gespenst wäre oder was. Schräge Vögel, ey. Einer hält ein Glasgefäß in der Hand, wie so eine Vase, und da sind lauter schwarze Murmeln drin. Was geht ab? Und jetzt sagt ein anderer: „Darf ich Sie bitten, den Raum zu verlassen?“ Und noch ein anderer steht auf und kommt zu mir her und sagt ganz ruhig dasselbe. Und ich so: „Was geht hier ab? Was macht ihr da?“ Und er so: „Bitte gehen Sie jetzt, Sie hören von uns.“ Und ich: „Was höre ich? Was höre ich von euch?“ Und dann wird mir auf einmal wieder ganz zweierlei und ich gebe nach. „Ist Ihnen nicht gut?“, fragt der Typ dann auf einmal wieder. „Möchten Sie sich setzen?“ Und ich so: „Nein, nein, alles okay. Ich gehe jetzt, aber ich bekomme dann eine E-Mail oder was?“ Und der Typ: „Ja.“ Und darauf bin ich dann eben abgezogen.

Ein Gedanke zu “Zu Gast bei den Freimaurern

  1. „Kevins Cousin allein im Supermarkt“… man muss da fast so offtopic anmerken, dass der Film gar niemals nie im deutschen Kino lief. Faszinierend, nicht wahr? So eine voll geheime Info würgt ergo deinen Loggenbesuch komplett ab, stellt es ins Abseits. Der Schiri pfeift ab, und wenig später ist das Spiel vorbei. 🙂
    PS: ich hab den Film nie gesehen. Mein Taschengeld war es mir damals nicht wert, vielleicht hatte ich aber auch keine Karte für die Videothek, wer weiß das heute noch außer mir selbst. ^^

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