Kalkvergiftung

Wenn man sich über kurz oder lang keine Kalkvergiftung holen will, muss man das Wasser erst fünf bis zehn Minuten laufen lassen, bevor man aus dem Hahn trinkt oder es in einen Topf abfüllt. Im Hochhaus muss man es je nachdem wie weit oben man wohnt noch länger laufen lassen, weil da ja zuerst noch das ganze abgestandene Wasser aus den unteren Stockwerken kommt. Deswegen sind die ersten paar Liter auch immer noch so warm und riechen irgendwie schlecht, gar nicht so arg nach Kalk, eher nach so fauligen Gasen, ich weiß jetzt auch kein gutes Beispiel.

Jetzt habe ich gerade gegoogelt, ob man das so schreiben kann, „faulige Gase“, weil ich mir nicht sicher bin, können Gase faulig sein oder riechen manche halt einfach faulig? Ist ja auch egal, aber da war echt ein Typ in irgend so einem Forum, dem haben sie den Zahn aufgebohrt und da entweicht seitdem permanent so stinkendes Gas, der bekommt das gar nicht mehr los! Krass, was für ein ekliger Typ! Jetzt gucke ich gerade nochmal und sehe, das ist sogar eine Frau, Mia heißt die … voll schöner Name eigentlich, aber das mit dem Gas, echt eklig. Von 2012 ist der Beitrag, da ist die inzwischen bestimmt schon an Stinkvergiftung gestorben. Anders kann ich es mir nicht vorstellen.

Die letzte Bemerkung war jetzt ein gutes Beispiel für Ironie. Ich finde Ironie voll scheiße, fand ich nämlich früher schon scheiße, wenn ich verarscht worden bin, und dann hieß es „hey, verstehst du keinen Spaß?“ und „war doch alles bloß ironisch gemeint“, nachdem ich es gepetzt hatte. Ich habe nämlich nicht oft gepetzt, aber manchmal schon, und dazu kann man später ruhig stehen. Ständig diese Gemeinheiten ertragen müssen, andere wissen gar nicht, wie das ist, und das sind dann die Gleichen, die so eine Scheiße reden, von wegen Ironie und alles.
Jetzt wollt Ihr bestimmt wissen, wie ich überhaupt drauf komme. Das war nämlich so: Ich habe bei Facebook eine PN bekommen, in der stand: „Unglaublich geiler Humor“ mit vier Tränenlach-Smileys dahinter. Da habe ich drauf geantwortet: „Wie meinst Du das?“ Und dann sie so: „Hab mich über deine Seite inklusive der Rezepte gut amüsiert“ Und ich: „Ach so, weil meistens ist es ja eher ernst.“ Weil manchmal schreibe ich ja schon auch was Lustiges, aber zur Zeit ja eher gar nicht. Und dann sie: „Das Rezept mit dem leeren Teller. Einfach klasse“ mit fünf Extremgrins-Smileys. Und ich dann wieder: „Ja, stimmt, das war eigentlich ganz lustig.“ Obwohl ich das eigentlich bloß veröffentlicht habe, um zu demonstrieren, dass es bei mir jetzt wirklich nichts mehr zu essen gibt. Aber gut, so ein bisschen lustig war es auch, okay, aber dann schreibt sie: „Finde die ganze Seite lustig. Dachte das wäre alles Ironie“ mit einem so Extremgrins-Smiley. So als ob alles bloß ein Witz wäre, alles was da steht. Wie als ob es witzig wäre, wenn einer schreibt, dass er bald blind ist, obwohl er gar nicht bald blind ist. Kennt Ihr Ironie des Schicksals? Ironie des Schicksals wäre, wenn so ein Arschloch dann wirklich blind wird. Das wäre mal Ironie nach meinem Geschmack. Wenn so einem Arschloch einfach das Augenlicht ausgeht, wie mir. Wegen grünem Star. Oder besser noch, weil ihm einer voll derb mit seiner Faust ins Gesicht schlägt und dadurch die Augen beide einfach kaputt gequetscht werden. Licht aus!

Die Frau, die mir das geschrieben hat, sieht eigentlich total gut aus, und das Profil wirkt so, als wäre sie schon ein bisschen bekannt, nicht richtig berühmt vielleicht, aber zumindest bekannter als andere. Und auch wenn man als Blinder nicht mehr sehen kann, ob eine gut aussieht oder nicht, ist es gut, wenn man mit solchen befreundet ist, weil das verhilft einem zu besserem Ansehen. Das weiß jeder, das ist überall so, egal ob nun bei ganz normalen Büroleuten oder bei irgendwelchen Berühmtheiten. Jeder will am besten mit einer gesehen werden, die besser aussieht, als er selber. Sogar bei den ganz großen Stars ist das noch so. Ich fände es gut, wenn ich später als „Grüner Star“ im Geschichtsbuch stehe, noch vor der Krankheit. Da gibt es zum Beispiel dieses eine Album von den Onkelz, da steht nichts drauf, das ist einfach nur weiß, der Bandname steht drauf, aber sonst nichts, aber jeder Mensch weit und breit weiß, wenn jemand vom „weißen Album“ spricht, dass genau das gemeint ist. Weil der Volksmund es so will. Und wenn der Volksmund will, dass Geschmackspeter eines Tages jedem als der grüne Star ein Begriff ist, um so besser.

Dass ich keine große Angst mehr vor einer Kalkvergiftung habe, dürfte wahrscheinlich niemanden wundern. Meiner Frau ist es aber natürlich immer noch wichtig und weil sie in letzter Zeit eh so schnell reizbar ist, hat sie mir einen Riesenanschiss gegeben, weil ich einmal nicht so lang gewartet habe, bevor ich das Wasser in den Topf abgefüllt habe. „Soll ich eine Kalkvergiftung bekommen, nur weil du blind wirst!?“ und danach gleich weiter: „Wer denkt überhaupt an mich? Was meinst du, wie das für mich ist, dann so mit einem Blinden?“ Und dass sie keine von denen ist, die sich gleich scheiden lassen, aber dass ich mal darüber nachdenken soll. Und so weiter und so weiter. Früher hätte ich in solchen Situationen am liebsten immer sofort ein Bier gesoffen, jetzt mache ich das einfach. Was soll’s schon. Wenn sie dann mit einem anderen verheiratet ist und dann ständig damit angeben muss, dass sie mal mit mir verheiratet war, weil mich inzwischen längst alle kennen, als Geschmackspeter, als den grünen Star, als einen Typ, den man bewundert, oder was weiß ich, dann wird der andere schnell Minderwertigkeitsgefühle bekommen, die ihn plagen, tagein, tagaus, und ob das dann noch eine so schöne Ehe ist? Ich meine ja bloß, so schön klingt das für mich nicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s