Ewiggestrige gibt es immer

Bücher sind eigentlich der letzte Scheiß. Schlecht für die Umwelt, und überhaupt: Liest man einmal und dann liegen sie rum. Manche Leute nageln sich extra ein Regal an die Wand und heben die dann so auf, wegen der Erinnerung daran. Dann schauen sie sich immer die Bücher an und denken: „Oh toll, das habe ich vor fünfzehn Jahren in der Regionalbahn gelesen, das war ein super schöner Tag!“ In Wirklichkeit war es natürlich ein total beschissener Tag, aber in der Erinnerung ist bei den Leuten plötzlich immer alles so schön, nur weil sie noch ein paar Jahre jünger waren. Ich habe einen kleinen Stapel Bücher im Schlauch, die habe ich nie weggeschmissen, aber das mache ich nachher, die erinnern mich daran, wie ich als Jugendlicher mit Bauchweh im Bett liege und Bücher lese. Ich hatte als Jugendlicher nämlich jeden Tag Bauchweh. Da hieß es dann immer: „Das ist, weil du noch wächst!“ Aber die anderen Jugendlichen hatten ja auch nicht jeden Tag Bauchweh. Ich habe mir oft gewünscht, ich könnte mein Bauchweh auf die Leute in meiner Klasse verteilen. Dann hätte jeder einen Tag Bauchweh gehabt, das wäre doch fair gewesen. Hätte ja niemand wissen müssen, dass das von mir kommt. Hätte ja einfach so jeder einmal im Monat Bauchweh haben können.
Das große „Kochen mit Peter“-Buch wird als eBook veröffentlicht. Bei den Verlagen von normalen Büchern arbeiten nur Arschlöcher. Da könnt Ihr gerne überall anrufen, wenn Ihr es nicht glaubt. Die behandeln einen am Telefon schon als wäre man das letzte Arschloch. Dabei verdienen die ihr Geld mit so Typen wie mir, die ein ganzes Buch schreiben, und selber können sie gar nichts, außer in irgendeinem Büro sitzen. Ich weiß, wie das ist. Ich war selber lange genug in so einem Büro. Da war ich aber nicht so scheiße zu den Leuten, wenn mal jemand angerufen hat. Bei einem einzigen Verlag war die Frau am Telefon voll nett, aber dann hat es nicht lange gedauert, und dann wollte die, dass ich im Vorfeld Geld bezahle, und dann hat sie mir irgendwas vorgerechnet und ich habe es mir eine Weile angehört, dann aber einfach gesagt: „Fick dich, du dummes Miststück!“ und aufgelegt. Jetzt lade ich das fertige Buch einfach bei Amazon hoch. Da bekomme ich 70% von jedem verkauften eBook, das sind bei 10 Euro dann 7 Euro für mich und 3 Euro für Amazon fürs Nichtstun, danke auch. Aber so mache ich es jetzt einfach. Anders kauft es niemand. Wenn ich es auf meinem Blog anbiete, will es vielleicht ein anderer Blogger gegen sein eigenes tauschen. Und darauf kann ich verzichten. Und bei Facebook sind eh bloß Trottel unterwegs.
Vor ein paar Tagen hat mir ein Typ bei Facebook geschrieben, dass er das Tom Kha Kai Geschmackspeter Curry nicht gut findet, weil es nicht original thailändisch ist, aber dass er das andere, was ich alles so geschrieben habe, „witzig“ findet („witzig“ schon wieder!), und dann habe ich mal geschaut, was das so für einer ist, und gesehen, wie alt der schon ist und dass der tatsächlich auf Thailand lebt, und dann habe ich ihn gefragt, ob er einer von diesen Sexopas ist, und dann hat er voll beleidigt geantwortet, dass er das nicht ist, sondern Professor an einer Universität, und sogar unter anderem für Literatur, und dass das was ich schreibe, voll scheiße ist und es keinen interessiert. Und dann habe ich geantwortet: „Zuerst fandest Du es aber noch witzig!“ Und dann hat mich die beleidigte Leberwurst blockiert. Wahrscheinlich weil er doch einer von den Sexopas ist. Als ob man das als Professor nicht sein könnte. Als ob man dafür so ein Unterschichtspenner sein müsste, der sich seine Thailand-Rente mit Taxifahren verdient hat. Wahrscheinlich denkt er, dass ihn seine hundert Jahre jüngere Frau wegen seiner vielen Bücher so toll findet, die er garantiert bei sich rumstehen hat. So ein Idiot.
Literatur ist eh was für Leute, die nicht ganz normal sind. Warum liest einer denn erfundene Geschichten? Weil er mit der Wirklichkeit nicht klarkommt, darum! Und wenn einer das dann noch studiert und Professor wird, na dann gute Nacht. Wie soll so einer eine Frau finden? Unter normalen Umständen, meine ich. Bücher mit erfundenen Geschichten sind die überflüssigsten von allen! Wenn in einem Buch wenigstens was Nützliches drinsteht, Rezepte zum Beispiel, oder wissenschaftliche Artikel. Dann lasse ich mir das eingehen. Aber für wissenschaftliche Artikel gibt es eigentlich Fachzeitschriften, die sind aktueller, und dann gibt es natürlich noch das Internet, das ist inzwischen eigentlich am besten, da sind die Artikel auf dem neuesten Stand, und vor allem gibt es da viele Sichtweisen von vielen Leuten, die vielleicht nicht unbedingt studiert haben, aber solche Leute haben oft die besten Ideen und wenn die bei einem Verlag anrufen, dann können sie sich beschimpfen lassen, weil zuhören will da niemand. Da haben die Leute taube Ohren, sonst nichts. Und deswegen sind eBooks und das Internet cool und normale Bücher scheiße. Manchmal ist das Normale halt doch scheiße. Aber wahrscheinlich dauert es nicht mehr lang und dann sind eBooks normal und normale Bücher unnormal. Dann lesen nur noch so ein paar halbtote Sexopas Bücher aus Papier, und Ewiggestrige, die gibt es natürlich immer.

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