Sojafleisch mit Mais

Zutaten:
● 1 Handvoll Sojabrocken
● ½ Büchse Mais
● Suppenbrühe
● Salatkräuter
● Scharfe Soße

Zubereitung:
Einfach ein bisschen Wasser mit Suppenbrühe nehmen und die Sojabrocken kurz aufkochen, dann den Mais dazukippen. Die Salatkräuter sind optional, die schare Soße auch.

In letzter Zeit habe ich fast nichts anderes gefressen, davon aber ohne Ende. Ich weiß, ich habe immer geschrieben, dass ich gar nichts esse, aber davon habe ich voll viel gegessen, richtig derb viel. Das schmeckt einfach jeden Tag. Ich weiß auch nicht, warum. Es ist so einfach, aber es ist ein Hammeressen. Zum Nachtisch kann man Schokolade nehmen oder einfach Bier oder Wein.

Die Zutaten sind nur für eine kleine Portion, weil es ja so schnell geht, sich das zu machen. Man kann aber ruhig gleich doppelt oder dreimal so viel machen, wenn man will, dass es länger reicht. Ich mache immer gleich drei, vier Portionen.

Öfter mal was Neues

Das sagt man doch so, oder? Wenn man einen guten Einfall hat oder was. Ich habe gute Einfälle. Ich liege oft so rum und rechne gar nicht damit und dann kommt mir plötzlich einer.
Ich höre das immer, wenn meine Frau auf dem Klo ist. Also ich kann das auseinander kennen, was das ist, was sie da macht. Und dann ist mir eines Tages die Idee gekommen, dass ich immer, wenn es was Großes war, gleich nach ihr aufs Klo gehe, so dass sie es mitbekommt, dass ich das jetzt aushalten muss, ihren Gestank. Eine ganze Weile ging das so, und dann hat sie es plötzlich versucht zu vertuschen, hat dabei das Wasser laufen lassen oder so, aber ich habe alle Fürze durchgehört, auch die kleinen, weil mit der Zeit entwickelt man ein Gehör für so was (bei Leuten, die blind werden, nehmen die anderen Sinne so nach und nach mehrere hundert Prozent zu). Jedenfalls ist es ihr nicht gelungen, mich auszutricksen, und damit sie mich nicht nachmachen kann, habe ich mir außerdem angewöhnt, mein großes Geschäft immer gleich nach dem ihren zu machen. So kann sie mir nie die Schuld geben, weil es immer wegen ihr schon stinkt.
Darauf muss man erst mal kommen.
Aber wenn man sein ganzes Leben gegängelt worden ist, wird man mit der Zeit eben einfallsreich.
Außerdem muss das Buch fertig werden, darum gibt es demnächst auch wieder mal ein neues Rezept.

Belästigungen

In dem Büro, in dem ich gearbeitet habe, in dem Scheißladen, in dem blöden Pennerloch, da saß ich immer am Computer, und hatte deshalb natürlich Zugriff auf die ganzen E-Mails, und darum habe ich Kurz vor Schluss noch ein paar von den wichtigen mitgehen lassen, also die von den Sekretärinnen, die für andere Firmen die E-Mails gemacht haben, und auch ein paar E-Mails von Privatkunden, einfach so, weil mich bei machen einfach interessiert hat, was die mir schreiben, wenn ich sie später von irgendeinem Mailaccount aus belästige. Also, damit wir uns nicht falsch verstehen, diese Leute wollte ich wirklich belästigen, damit die sehen, was für Arschlöcher in dem scheiß Büro arbeiten. Das habe ich nämlich durchblicken lassen, dass ich einer von denen aus diesem Büro bin.
Von den Sekretärinnen und den Sekretären (davon gibt es auch ein paar) habe ich zuerst einmal geschaut, ob ich die bei Facebook finde. Ich war ziemlich überrascht von manchen, wie die aussehen, richtig durchschnittlich, obwohl ich mir bei den Stimmen manchmal echt mehr vorgestellt hab, eine zum Beispiel hatte richtig beschissene Hände, so richtige Bauernhände. Die hatte zwar ein ganz süßes Gesicht, aber die Hände waren echt schlimm, und die waren fast überall mit drauf, auf den Urlaubsfotos oder einfach auch bei Fotos vom Essengehen oder vom Kaffeetrinken. Die Freundinnen von der waren teilweise genauso durchschnittlich. Einer muss ihr Freund gewesen sein, der war auch immer wieder mit drauf, aber der war wirklich nichts Besonderes. Ganz normal halt. Was ich eigentlich nicht schlecht finde, aber die waren mir halt unsympathisch. Die Fotos konnte ich natürlich alle sehen, weil ich erst einmal kommentarlos eine Freundschaftsanfrage geschickt habe, die werden dann in der Regel angenommen, und dann kann man alle Fotos sehen und belästigende Nachrichten schicken, ohne dass die im Spamordner landen (davon gibt es bei Facebook sogar drei! Einer heißt „Nachrichtenanfragen“, da schaut man vielleicht noch manchmal rein, aber dann gibt es noch die Rubrik „Mehr“, und unter „Mehr“, muss man dann auf „Gefiltert“ klicken, wenn man die gefilterten Nachrichten auch sehen will, aber das will praktisch niemand, und das macht auch keinen guten Eindruck, wenn die Nachricht da drin ist, da weiß man dann eigentlich schon, wo der Hase langläuft. Manchmal erwischt es auch die Falschen, aber das ist wie im richtigen Leben. Egal, wenn man erst mal keine Nachricht schreibt, sondern nur eine Freundschaftsanfrage verschickt, kann das nicht passieren).
Als ich dann mit den ersten Belästigungsnachrichten losgelegt habe, wurde ich natürlich von den meisten gleich blockiert, dann ging gar nichts mehr. Aber ein paar haben auch zurückgeschrieben und dann ging das so ein bisschen hin und her, wer von beiden der größere Idiot ist und so weiter, eigentlich nichts Besonderes, aber ein paar haben vielleicht daraufhin auf weitere Zusammenarbeit mit dem Büro verzichtet, also dem, in dem ich gearbeitet habe, und wenn ich so dem Laden geschadet habe, hat es sich von daher schon gelohnt, auch wenn es jetzt nicht so richtig viel Spaß gemacht hat. Nicht alles im Leben macht nur Spaß.

Wenn jemand bei mir am Smartphone anruft, der (oder die) sich einfach verwählt hat, dann füge ich die Nummer normalerweise sofort meinen Kontakten hinzu. Das habe ich mir so angewöhnt. Ich schreibe dann immer nach eine Woche nochmal, dass es mir wirklich nichts ausgemacht hat, und wenn dann keine Antwort zurückkommt, erkläre ich nochmal, auf was für einen Zwischenfall ich mich berufe und frage einfach nett nach, wie es so geht oder wie der Tag so war oder irgendwas in die Richtung. Meistens kommt da überhaupt nichts zurück, und wenn dann nur einmal, aber danach nichts mehr. Dabei ist das einfach nur nett gemeint. Ist doch cool, wenn sich jemand für einen interessiert. Aber das empfinden die Leute dann auch gleich als Belästigung. Und das ist es, was mich an den Leuten so aufregt, was mich an allen irgendwie ankotzt: Dieses Undifferenzierte.

Die Zukunft

Wenn ich das Angebot bekäme, bis hundert Jahre in der Zukunft eingefroren zu werden, würde ich das sofort annehmen. Echt jetzt. Angeblich ist es ja so schwer, sich dann an den plötzlichen Fortschritt zu gewöhnen. Aber für mich wäre das kein Problem. Für die meisten wäre es das nicht. Stellt Euch doch mal vor, Ihr hättet vor hundert Jahren gelebt, also 1916 und dann würdet Ihr von da aus hundert Jahre in die Zukunft reisen, nach 2016. Was hat sich schon groß verändert? Eigentlich nur das mit den Smartphones, und das ist gar nicht so schwer zu lernen. Ich schätze, ich bräuchte einen Tag dafür. Die meisten bräuchten wahrscheinlich bloß einen Tag. Also, what’s the problem? In hundert Jahren gibt es vermutlich keinen grünen Star mehr, oder man kann ihn sich mit dem Laser in ein paar Sekunden wegmachen lassen. In der Zukunft wird jedenfalls alles nur besser. Die bisherige Menschheitsgeschichte ist dafür der Beweis. Es ist zwar immer noch ziemlich scheiße, aber besser war es trotzdem noch nie. Es wäre zwar möglich, dass es einen Rückschlag gibt, zum Beispiel, wenn Terroristen in den Besitz von Atombomben gelangen und die zünden und deswegen alles in die Luft geht, aber das muss nicht sein, dass das passiert. Das könnte außerdem sogar dem Präsidenten passieren, in einer Kurzschlusshandlung oder so. Das müssen gar nicht unbedingt Terroristen sein. Es könnte halt passieren. Das ist alles.

Ich denke, ich habe das mit der Zukunft jetzt alles gut erklärt, und das ist der Punkt, an dem ich mir schon oft gedacht habe, dass das ja wohl nicht sein kann, dass man für das Schreiben von einem Blog von niemanden Geld bekommt. Wie dumm war ich? Übelst dumm. Man bekommt nämlich für alles Geld, für das Schreiben von einem Blog wahrscheinlich gar nicht mal wenig. Man muss sich nur bei so bestimmten Vereinen anmelden. Ich weiß das selber erst seit gestern. Wer es also nicht wusste, braucht sich nicht zu schämen. Da gibt es einen Verein, der hat einen richtig dämlichen Namen, die nennen sich „Interessengemeinschaft Wort“, und da kann man sich anmelden, mit Bankverbindung und allem, und dann schicken die einem die Knete. Die verlangen auch keinen Mitgliedsbeitrag, den würde ich nämlich auch nicht bezahlen. Das sind wahrscheinlich einfach krass die Spinner, die irgendwoher richtig viel Geld haben, und weil denen jedes einzelne geschriebene Wort so unendlich wichtig ist, geben die halt allen, die sich bei ihnen anmelden und irgendwas schreiben, ein bisschen was davon ab. Oder auch richtig viel, ich weiß es noch nicht, ich habe mich da ja erst gestern angemeldet. Denen ist es auch scheißegal, was man schreibt. Hauptsache Wörter und am besten natürlich viele. Da lohnt es sich dann natürlich, Sachen ausführlich zu erklären auf seinem Blog.
Für die Bilder von den Rezepten gibt es das gleiche, ohne Witz. Die nennen sich „Verwaltungsgemeinschaft Bild-Kunst“, echt kein Scherz. Vielleicht sind das die gleichen. Ist im Prinzip auch egal. Hauptsache die lassen die Kohle rüberwachsen, diese Affen.

Was könnte ich noch schreiben? Meine Frau sperrt sich in letzter Zeit immer ein. Völlig sinnlos. Aber dann höre ich im Schloss von ihrem Zimmer den Schlüssel und weiß: Jetzt hat sie sich wieder eingesperrt. Keine Ahnung, was das soll. Ich gehe ja eh nicht mehr rüber. Und von Scheidung spricht sie auch fast immer, wenn wir uns über den Weg laufen. Das geht jetzt schon länger so. Eigentlich schon kurz nachdem sie erfahren hat, dass ich blind werde. Da hat sie damit angefangen. Voll gemein. Ich weiß nicht, ob sie es ernst meint, aber so leicht geht das eh nicht, da muss muss man erst mal ein Jahr getrennt wohnen, da reicht es nicht, sich im Zimmer einzusperren. Und wenn ich dann bald behindert bin, bekomme ich bestimmt eh noch Sonderrechte. Kann gut sein, dass sie dann sogar für mich bezahlen muss, wenn sie sich von mir scheiden lässt. Da komme ich dann alles in allem auf ein ganz gutes Auskommen, wenn ich meine Einkommensquellen zusammenrechne. Also, die Kohle vom Jobcenter eh, die Kohle von meiner geschiedenen Frau und dann noch die Kohle von den Vereinen. Wenn ich nichts mehr sehe, kann ich schließlich trotzdem noch irgendwelche Wörter schreiben oder diktieren. Das müssen auch nicht mal richtige Sätze sein, da reichen schon irgendwelche aneinandergereihten Wörter. Das stimmt wirklich. Wer es nicht glaubt, kann es ja ausprobieren. Und Fotos kann man auch blind hochladen.

Das Ende

Gestern Nacht lag ich so einschlafend im Bett, schon richtig müde, und hatte dann auf einmal das Gefühl, dass sich jetzt meine Hülle oder halt die Haut auflöst und das Blut rausläuft und in die Matratze rein, und es ist auch wirklich alles ganz warm geworden, und das hat mich sogar ein bisschen ängstlich gemacht, weil ich dachte, dass das jetzt vielleicht das Ende ist, aber ich war einfach schon zu müde, um nochmal wach zu werden, und drum habe ich es einfach auf mich zukommen lassen. Heute morgen bin ich dann ganz normal wieder wach geworden und den ganzen Tag so rumgelegen. Ich mache eigentlich gar nichts mehr, außer daliegen und irgendwelche Streams glotzen. Wenn man mal ehrlich ist, ist das so das beste Leben, das man führen kann. Wie diese indischen Typen, die ihr ganzes Leben lang nur dastehen, bis irgendwann die Ratten anfangen, an denen rumzunagen. Von denen heißt es ja immer, dass die das beste Leben führen, das man sich überhaupt vorstellen kann. Meines ist wahrscheinlich sogar noch besser, weil ich nicht dastehe, sondern daliege und mir nebenbei sogar noch kulturelle Erzeugnisse reinziehe. Ich gehe auch nicht mehr ins Schwimmbad. Anfangs bin ich noch manchmal runter, weil ich mir dachte, vielleicht sehe ich eine, wo ich mir nachher was vorstellen kann. Aber ich sehe immer schlechter und so geht das auch nicht mehr richtig, da bin ich einfach besser dran, wenn ich das alles vom Computer aus mache. Ich habe einen Laptop, da ist eine Kamera eingebaut. Die habe ich jetzt zugeklebt, damit mich keiner mehr filmen kann. Ich habe richtig viele Viren, das ist mir egal, weil ich ja Zeit habe und ich es nicht schlimm finde, wenn der Computer ein bisschen länger für alles braucht, aber filmen lassen will ich mich nicht.
Was eigentlich richtig scheiße am Leben ist, ist, dass man nie mit was fertig wird. Also, so lange man noch was macht. Ich sehe das an meiner Frau: Die rennt den ganzen Tag mit dem Wäschekorb in den Keller, um die Wäsche zu waschen, kaum dass die vorige trocken ist. Ich bin jetzt den ganzen Sommer nackt im Bett gelegen, damit ich mir das sparen kann. Nur für den Supermarkt habe ich noch einen Schwung Klamotten, die trage ich dann aber höchstens eine halbe Stunde und von daher kann ich die ewig tragen. Ein normales Leben können heute eigentlich nur noch Leute mit Personal führen, alle anderen werden einfach nie fertig. Die mit Personal werden wahrscheinlich mit was anderem nicht fertig. Da ist es dann halt nicht die Wäsche, da ist es dann irgendwas anderes. Wenn es wieder Sklaven gäbe, dann könnte wenigstens die Hälfte aller Menschen gut leben. Personal muss man natürlich bezahlen und das bezahlt sich nicht von allein.
Das Jobcenter schreibt mir immer: „Sehr geehrter Herr Appenroot, …“ Das heißt, die ehren mich. Cool, oder?