Das Ende

Gestern Nacht lag ich so einschlafend im Bett, schon richtig müde, und hatte dann auf einmal das Gefühl, dass sich jetzt meine Hülle oder halt die Haut auflöst und das Blut rausläuft und in die Matratze rein, und es ist auch wirklich alles ganz warm geworden, und das hat mich sogar ein bisschen ängstlich gemacht, weil ich dachte, dass das jetzt vielleicht das Ende ist, aber ich war einfach schon zu müde, um nochmal wach zu werden, und drum habe ich es einfach auf mich zukommen lassen. Heute morgen bin ich dann ganz normal wieder wach geworden und den ganzen Tag so rumgelegen. Ich mache eigentlich gar nichts mehr, außer daliegen und irgendwelche Streams glotzen. Wenn man mal ehrlich ist, ist das so das beste Leben, das man führen kann. Wie diese indischen Typen, die ihr ganzes Leben lang nur dastehen, bis irgendwann die Ratten anfangen, an denen rumzunagen. Von denen heißt es ja immer, dass die das beste Leben führen, das man sich überhaupt vorstellen kann. Meines ist wahrscheinlich sogar noch besser, weil ich nicht dastehe, sondern daliege und mir nebenbei sogar noch kulturelle Erzeugnisse reinziehe. Ich gehe auch nicht mehr ins Schwimmbad. Anfangs bin ich noch manchmal runter, weil ich mir dachte, vielleicht sehe ich eine, wo ich mir nachher was vorstellen kann. Aber ich sehe immer schlechter und so geht das auch nicht mehr richtig, da bin ich einfach besser dran, wenn ich das alles vom Computer aus mache. Ich habe einen Laptop, da ist eine Kamera eingebaut. Die habe ich jetzt zugeklebt, damit mich keiner mehr filmen kann. Ich habe richtig viele Viren, das ist mir egal, weil ich ja Zeit habe und ich es nicht schlimm finde, wenn der Computer ein bisschen länger für alles braucht, aber filmen lassen will ich mich nicht.
Was eigentlich richtig scheiße am Leben ist, ist, dass man nie mit was fertig wird. Also, so lange man noch was macht. Ich sehe das an meiner Frau: Die rennt den ganzen Tag mit dem Wäschekorb in den Keller, um die Wäsche zu waschen, kaum dass die vorige trocken ist. Ich bin jetzt den ganzen Sommer nackt im Bett gelegen, damit ich mir das sparen kann. Nur für den Supermarkt habe ich noch einen Schwung Klamotten, die trage ich dann aber höchstens eine halbe Stunde und von daher kann ich die ewig tragen. Ein normales Leben können heute eigentlich nur noch Leute mit Personal führen, alle anderen werden einfach nie fertig. Die mit Personal werden wahrscheinlich mit was anderem nicht fertig. Da ist es dann halt nicht die Wäsche, da ist es dann irgendwas anderes. Wenn es wieder Sklaven gäbe, dann könnte wenigstens die Hälfte aller Menschen gut leben. Personal muss man natürlich bezahlen und das bezahlt sich nicht von allein.
Das Jobcenter schreibt mir immer: „Sehr geehrter Herr Appenroot, …“ Das heißt, die ehren mich. Cool, oder?

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