Alles ist immer irgendwie

Und zwar anders als man denkt. Das nervt brutal. Erdbeeren sind kein Obst, sondern Nüsse oder Rosen oder irgendwas. Dafür sind Tomaten kein Gemüse, sondern Obst. Und Kaninchen sind keine Nager, sondern irgendwas anderes. Keine Ahnung, was. Aber Nager jedenfalls nicht, obwohl die nicht viel anderes machen als irgendwas zu zernagen. Ich weiß das. Meine Frau (damals Freundin) hatte nämlich mal eines. Aber egal. Eigentlich wollte ich bloß schreiben, dass bereits drei Paranüsse den Selen-Bedarf für einen kompletten Tag decken. Selen ist ein Metall. Genau wie Calcium oder Eisen. Die meisten von Euch haben wahrscheinlich gedacht, das sagt man nur so, dass der Mensch „Eisen“ braucht, und damit ist in Wirklichkeit nicht Metall gemeint, aber damit ist echtes Metall gemeint. Ich weiß, das ist zum verrückt werden. Und Ihr fragt Euch jetzt: Wer soll sich das alles merken? Und wisst Ihr was, ich sag’s Euch: NIEMAND. Scheiß drauf. Niemand braucht sich den Scheiß merken, bloß weil das irgendwelche Klugscheißer mal so festgelegt haben. Wenn es erst mal niemand mehr weiß, ist es genau so, wie jeder denkt.

Apropos „niemand“. Wenn man wirklich Gleichberechtigung will, schreibt man „niemensch“. Eigentlich müsste es sogar heißen: „Wenn mensch wirklich Gleichberechtigung will, schreibt mensch „niemensch“. Ich mache das künftig manchmal, aber nicht immer, weil ich da einfach nicht immer dran denken kann. Ich habe das auch erst gestern erfahren und will es jetzt nicht überall ausbessern. Aber ich finde das gut, wenn man das schreibt. Frauen sind von Natur aus schon bei so vielen Sachen im Nachteil, da kann man ruhig ein bisschen aufpassen, wenn es darum geht, was aufzuschreiben, was dann dasteht. Wobei nur im Buch was endgültig dasteht, im Internet kann man es eigentlich ändern. Aber wie gesagt, das ist mir jetzt zu stressig. Männer haben es auch nicht nur leicht. Am besten wäre es wahrscheinlich was dazwischen zu sein. Aber so was ist total selten.

Unfair, aber wahr

Es gibt noch mehr so Leute. Kurz vor Ladenschluss kommen sie aus ihren Löchern gekrochen. Diese Wichser. Diese Arschlöcher.
Ich habe einen gesehen, der hat zwei Biere gekauft und zu den zwei Bieren drei (drei!) von diesen 4er Päckchen Boonekamp oder wie die Billigversion davon heißt. Das sind 4 x 20 ml, und davon hat er drei gekauft. So als würde er sich da nur alle heilige Zeiten mal eines davon gönnen. Ich kann Euch genau sagen, wie der tickt. Der kauft sich zwei Biere, weil er denkt, „zwei Biere, das ist doch nichts, man kann doch am Abend zwei Biere trinken, ohne dass man sich dabei was denken muss“. Und dann denkt er: „Von diesen Schnäpsen trinke ich vielleicht noch einen hinterher, wenn überhaupt, wahrscheinlich gar keinen, aber mal schauen, was man hat, hat man.“ Und dann trinkt er die zwei Biere und säuft danach alle zwölf von diesen blöden Fläschschen. So über die Nacht verteilt. Immer nur eines und dann noch eines. Und am nächsten Tag steht er wieder kurz vor Ladenschluss mit zwei oder drei Bieren an der Kasse und auf jeden Fall wieder mit drei von diesen beschissenen 4er Päckchen. Nie würde er sich einfach eine große Flasche kaufen, weil wenn die am nächsten Tag dann leer wäre, gäbe es nichts daran zu rütteln, dann hätte er eine Flasche Schnaps einfach so weggesoffen, und eine Flasche Schnaps das ist kein Pappenstiel. Eine Flasche Schnaps ist eine Flasche Schnaps. Und wenn er immer diese unübersichtlichen blöden keinen Dinger säuft, kann er sich immer so vorkommen, als würde er nur ab und zu ein Genießerschlückchen nehmen. Dabei weiß er es eigentlich, was für eine dumme Sau er ist. Und dass die kleinen Fläschchen die absolute Oberscheiße sind und dass er sich damit gehörig in die Tasche lügt. Das weiß er alles, weil er schon dumm ist, aber so saudumm auch wieder nicht, so dumm ist nämlich fast niemand, dass er es nicht mehr merkt, wenn er sich selber verarscht. Das ist aber auch Gewöhnungssache. Der eine schämt sich für egal was fast gar nicht, der andere ewig lang. Das erste Mal Ins-Bett-pissen als Erwachsener vergisst keiner, das lässt keinen kalt. Aber wenn es zehnmal passiert ist, höre ich auf zu zählen. Dann ist es immer noch scheiße, klar. Aber was soll man manchen. Ich will nicht klingen, wie einer, der so was verurteilt. Wer sich ins Bett pisst, pisst sich halt ins Bett. Ich bin mir sicher, dass sich der Typ mit den kleinen Fläschchen auch ins Bett pisst. Manchmal zumindest. Ich finde es nur peinlich, dass er immer diese kleinen Fläschchen kauft, diese 4er Päckchen, und dann gleich drei. Ich habe ja schon hingeschrieben, warum. Ich habe den Typ früher oft gesehen. Inzwischen kaum noch. Zum Glück, Mann.

Die Texte im Internet müssen übrigens eine bestimmte Länge haben, damit die „Verwertungsgesellschaft Wort“ zahlt. Das ist eine Regel, damit nicht die ganzen Twitter-Arschlöcher auch ankommen können. Das ist auch gut so. Im Internet geht so viel Scheiß ab inzwischen. Auf Facebook, wenn der Rechner hängt, dann sieht man das, also wenn die Fotos erst noch geladen werden müssen, dann sieht man, wie die Bilder benannt sind. Das sind aber nicht die Originalnamen, weil die Fotos heißen immer gleich: „1 Person, Nacht“ oder „2 Personen, Inneneinrichtung“ und so weiter. Da hockt einer und benennt die ganzen Fotos um. Was ist das für ein Job? Das muss man sich mal vorstellen. Da werden jeden Tag tausende Bilder hochgeladen und einer schaut sich den ganzen Scheiß an und benennt die dann um. Ich denke nicht, dass das automatisch geht. Und einer reicht da wahrscheinlich gar nicht. Krass. Krasser Scheiß.

Ich finde es außerdem nicht gut, wenn sich meine Frau mit anderen Männern vermischt. Ich habe ihr gesagt, dass ich sie nur heirate, wenn sie nie fremdgeht. Daran hält sie sich auch. Aber ich finde, da gibt es noch mehr Sachen. Ich habe zum Beispiel rausgefunden, dass sie da bei ihrem Job gemischte Toiletten haben. Sie hat mir das mal nebenbei gesagt, aber ich habe lange darüber nachgedacht. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich nicht will, dass sie diese Toiletten benutzt. Sie hat aber gesagt, dass es nicht anders geht. Und dann habe ich zu ihr gesagt, dass sie wenigstens Papier auf die Klobrille legen soll. Und dass sie nicht so heftig reinpissen soll, dass was aus dem Klo zurückspritzt. Ich will das nicht. Dann hat sie die Pisse von anderen Männern an sich. Oder noch Schlimmeres. Wie soll ich das ertragen? Ich will das nicht ertragen.
Ich habe mir auch mal vorgestellt, wie es wäre, wenn sie es mit einem anderen treibt. Das wäre richtig übel. Das Sperma bekommt man da fast nicht mehr raus. Das Gröbste schon, aber auch ganz viel nicht. Viele Spermien leben da noch Wochen oder Monate später, aber auch wenn sie schon gestorben sind, sind sie immer noch da. Und wenn man dann da leckt, ist immer ein bisschen was davon dabei. Es gibt zwar die Monatsblutung, die das angeblich komplett reinigt, aber dass davon wirklich alles mit rausgeht, das glaube ich auch wieder nicht.
Ich habe da am Anfang immer viel rumgeleckt, nicht nur am Arsch. Das ist mir alles auch erst später eingefallen. Da war es dann schon zu spät. Aber jetzt will ich so was von meiner Frau fernhalten. Auch wenn momentan nicht so viel läuft. Das kann ja nicht schaden, auch für später nicht. Dann ist wenigstens später alles schön sauber. Oder so sauber wie es halt geht.
Als Mann kann man sich einfach schnell duschen, da ist das nicht so schlimm. Von daher ist das auch unfair, aber vieles ist unfair.

Mundgeruch

Irgendwann am Vormittag bin ich aufgewacht, obwohl ich noch scheiße müde war. Ich war so müde, ich wollte nichts lieber als wieder einpennen. Der Mundgeruch war aber so schlimm, dass ich einfach nicht mehr einschlafen konnte. Ich konnte aber auch nicht aufstehen, es ging einfach nicht. Ich war einfach zu fertig dafür, ins Bad zu gehen und mir die Zähne zu putzen und mich dann wieder hinzulegen. Irgendwann bin ich dann auch so wieder eingeschlafen. Richtig guter Schlaf war das aber nicht.

Das Leben ist die längste Schulstunde der Welt.

Mit Früchten gefüllte Schale

Zutaten:
● 1 Pfirsich
● 20-30 Trauben

Zubereitung:
Alles abwaschen, die braunen Stücke wegschneiden, den Rest kleinschneiden und in eine Schale geben. Schmeckt immer. Obst mag eh jede*r und das gibt es ja auch schon immer. Klassiker halt. Kann man nichts falsch machen. Kann man anstatt dem Pfirsich und den Trauben auch genauso gut irgendwas anderes nehmen. Außer Äpfel, die nicht. Äpfel sind Bauenobst, so was frisst kein anständiger Mensch.

P.S.: Ihr könnt gerne alle kommentieren. Die Kommentare kommen aber nicht mit ins große „Kochen mit Peter“-Buch, da habe ich einfach keinen Bock drauf. Bitte nicht falsch verstehen, die Kommentare sind nicht schlecht oder so. Ich glaube nur, dass sie nichts in dem Buch verloren haben. Kann aber sein, dass ich es mir anders überlege. Ich kann das auch von Fall zu Fall entscheiden. Weiß ich jetzt einfach noch nicht.

Ich spreche aus Erfahrung

Manchmal wache ich auf und spüre zuerst bloß so ein Kribbeln, aber im nächsten Moment zerreißt es mich fast. Da muss ich dann sofort aufs Klo, da kann ich nicht warten, und dann platzt es aus mir raus. Wegen dem Mundgeruch muss ich mir auch sofort die Zahnbürste reinschieben. Und so hocke ich dann da im Kackedampf und könnte kotzen. Es ging dann bisher immer alles gut, aber es würgt mich schon immer ganz schön. Im Alter muss man nicht mehr so viel kotzen, habe ich gelesen. Ich denke, das stimmt. Als Jugendlicher habe ich jedenfalls viel öfter gekotzt.

Die Körpertemperatur sinkt auch ein bisschen im Alter. Das ist eh so eklig, wie warm manche Menschen sind. Ich weiß da viel aus Erfahrung. Zum Beispiel im Büro am Computer, wenn ich von jemanden den Platz übernommen habe, wie eklig warm die Maus da bei manchen immer noch war. Ich konnte die gar nicht gleich anfassen. Musste ich aber, weil ich sonst als Trödler dagestanden wäre. Oder als wir noch jung waren, in der Schule, und in einer Freistunde Bier kaufen gegangen sind. Da musste ich einmal pissen und einer von den anderen hat gesagt: „Ich halte dir deine Flasche.“ Und als er sie mir wiedergegeben hat, war sie an der Stelle, wo er sie gehalten hat, voll warm. Voll unnatürlich. Das war eh so ein Spastiker. Ohne dass ich jetzt was gegen Behinderte sagen will. So haben wir halt damals zueinander gesagt. Das war normal. Ich mochte den aber wirklich nie. Egal.

Kartoffelauflauf

Ich habe mich dann richtig auf Zuhause gefreut. Der Ausflug hat mir gezeigt, dass ich mit dem Drinnenbleiben genau richtig liege. Ich habe auch meine Frau vermisst und mir deswegen gedacht, dass ich ihr mal wieder was kochen könnte. Ich habe ihr dann von der Idee erzählt und gefragt, ob ich in die Küche darf. Das Sojafleisch mit Mais habe ich immer in meinem eigenen Zimmer gemacht, diese Sojabrocken muss man nicht unbedingt kochen, das reicht, wenn man die einfach kurz in warmes Wasser einlegt, da werden die sofort weich. Vom Kochen werden sie dann eigentlich nur wärmer. Das brauche ich nicht unbedingt. Mir ist eh immer viel zu warm. Das war in der alten Wohnung nicht so, hier aber schon. Aber scheiß drauf, ist jetzt halt so. Gibt Schlimmeres. Zum Beispiel wenn es immer voll kalt wäre, das wäre auf jeden Fall schlimmer. Jedenfalls hat meine Frau ja gesagt und als ich gesagt habe, dass ich Kartoffelauflauf machen kann, hat sie gesagt meinetwegen.

Zutaten:
● 10 Kartoffeln
● 4 Zwiebeln
● 1 Packung Sojamilch
● 1 Packung Hefeflocken
● 1 Packung Wilmersburger Scheiben
● 100 g Margarine
● Salz und Pfeffer
● 1 Packung Knorr 100% natürliche Zutaten für Nudel-Schinken-Auflauf (Zutaten: Maisstärke, Reismehl, 20% Zwiebeln, Zucker, Meersalz, 4,5% Tomatenpulver, Maiskeimöl, 2,5% Schnittlauch, Paprika, Knoblauch, Selleriesamen, Pfeffer, Kartoffelstärke, Zitronensaftpulver, Muskatnuss, Curcuma, Speisesalz, Lorbeerblätter, Liebstöckelwurzel, Bockshornkleesamen. Achtung kann Spuren von Gluten, Milch Ei und Senf enthalten. Das steht da halt immer.)

Zubereitung:
Die Zwiebeln in dicke Scheiben schneiden und in eine große Salatschüssel werfen. Danach die Kartoffeln schälen und in dünne Scheiben schneiden und ebenfalls in die Schüssel damit. Jetzt muss man die Sojamilch mit dem Knorr-Pulver, den Hefeflocken und dem Salz und dem Pfeffer verrühren und über das Zeug in die Schüssel schütten. Die Auflaufform muss man mit Margarine einfetten und den Ofen auf 200 Grad vorheizen. Wenn man das Vorheizen vergessen hat, ist es nicht so schlimm. Geht auch so, dauert dann halt nur ein bisschen länger.

Bei mir hat der Auflauf ewig gedauert, weil ich zuerst viel zu wenig Milch genommen habe. Ich musste dann ewig nachgießen. Immer wieder nachgießen. Meine Frau ist dann schon richtig ungeduldig geworden und hat angefangen, Schokolade zu essen, weil es so lange gedauert hat. Und dann hat sie mir vorgeworfen, dass ich eh nur zum Saufen in der Küche stehe. „Das Zeug, das du kochst, könnte man auch viel schneller machen!“, hat sie gemeint. „Zuerst dauert es ewig und dann schmeckt es trotzdem wie frisch aus dem Arsch!“ Dass es wie frisch aus dem Arsch schmeckt, hat sie dann zurückgenommen. Sie meinte nur, dass es halt meistens ein bisschen fad schmeckt, weil ich nie abschmecke. Aber abschmecken taugt mir einfach nicht. Nachsalzen kann man doch immer.

Die Wilmersburger Scheiben kommen erst ganz zum Schluss drauf, kurz bevor es fertig ist, damit die so ein bisschen verlaufen. Wenn man sie gleich draufmacht, brennen sie an. Man kann sie aber auch ganz weglassen, wie man mag, oder wie man finanziell gerade aufgestellt ist.

Wiedersehen mit den Eltern

Von meinem Mundgeruch am Morgen könnte ich kotzen. Wenn ich dann losbürstle spucke ich immer sofort ein paar Portionen aus, weil ich wirklich fast kotzen muss. Außerdem stelle ich mir beim Putzen inzwischen täglich vor, wie es wäre, wenn ich statt der Zahnbürste einen weichen oder harten Schwanz in den Mund bekäme, oder einen, der gerade hart wird. Frauen wissen alle, wie sich so was anfühlt, für die ist das nichts Besonderes. Die meisten Männer aber wissen überhaupt nicht, wie das ist. Ist doch irgendwie schräg.

Ich habe ein hartes Wochenende hinter mir.
Ich wusste schon länger im voraus davon, aber ich habe nichts davon geschrieben, weil es eigentlich niemanden was angeht. Ich habe per Post eine Einladung zum Geburtstag meiner Mama bekommen, und danach hat sie angerufen und gefragt, ob ich komme. Ich gehe normalerweise gar nicht mehr ans Telefon, aber weil es eigentlich nie klingelt, habe ich nicht dran gedacht und bin rangegangen und habe auch zugesagt, dass ich komme.
Der Weg ist total weit und darum komme ich zu normalen Geburtstagen nicht, aber weil es eben der sechzigste war und so weiter. Deswegen bin ich am Samstag 8 Stunden ICE gefahren. Das war so krass, allein die Fahrt schon. Da hocken echt nur Arschlöcher im ICE, so Anzugwichser. Die sehen alle gleich aus, und die Frauen sind uralt. Ich weiß, das macht nichts, wenn man uralt ist. Meine Mama ist ja jetzt auch schon sechzig, darum ist es halt ein bisschen komisch. Normalerweise muss ich über so was überhaupt nicht nachdenken, aber manchmal eben schon.
Beim Aussteigen roch alles nach Herbst und Schulanfang. Ich wurde dann vom Bahnhof abgeholt, von der Mama. Der Papa ist daheim geblieben. So um sechs abends waren wir dann alle zusammen. Wir sind am Küchentisch gesessen. Ich hätte so wahnsinnig gern ein Bier gehabt. Ein Bier hätte schon gereicht. Aber ich wusste, dass ich keines bekommen kann. Darum habe ich mich innerlich beruhigt, das kann jeder, der sich ein bisschen zusammenreißt. Dafür reicht normale Selbstbeherrschung. Ich habe dann auch die Briefe gesehen, die auf dem Küchentisch liegen. Der ganz oben drauf war von der Stadt. Ich habe im Zug schon dran gedacht, und mir überlegt, dass ich am Sonntag auch wählen gehen könnte, aus Nostalgie so ein bisschen, weil ich halt Gerhard Schröder immer so cool fand, und eigentlich immer noch cool finde, wenn mal was über ihn steht irgendwo. Aber mein Vater ist mir zuvorgekommen, das war klar, dass er gleich davon anfängt. Da hatte ich dann schon gar keinen Bock mehr drauf. Wie er seine Hand auf den Brief gelegt hat und ganz ruhig und freundlich meinte, dass ich morgen meiner Bürgerpflicht nachkommen darf. Wie er das schon gesagt hat, dass ich das „darf“. Ich war inzwischen schon richtig schwitzig, ich habe nur gesagt: „Ich gehe nie zum Wählen.“
Das stimmt nämlich auch. Ich kann aber auch nicht, weil ich immer noch bei meinen Eltern gemeldet bin. Das ist offiziell mein Hauptwohnsitz, auch wenn ich nie da bin.
„Dann gehst du morgen“, meinte mein Papa, immer noch ganz ruhig und freundlich, aber so bestimmerisch, wie man es nicht hören kann, wenn man es nicht weiß.
Ich bin innerlich wütend geworden, darum habe ich ebenfalls ganz ruhig gesagt: „Deutschland ist mir scheißegal.“
Und mein Papa dann: „Wer so was sagt, ist ein Vaterlandsverräter.“
Und ich: „Na und?“
Und er: „Willst du das sein?“
Und ich: „Nein.“

Mein Mama ist natürlich nur daneben gesessen.

Also bin ich am nächsten Tag zur Wahl gegangen. Ich wollte ja vielleicht eh. Und als ich dann da so saß in der Kabine und gerade die SPD ankreuzen wollte, habe ich doch die AfD gewählt. Ich weiß auch nicht, warum. Weil man in letzter Zeit einfach ständig von denen gehört hat. Überall hieß es immer AfD, AfD. Überall, egal auf welcher Seite. Außer auf den Pornoseiten. Und sogar da einmal oder zweimal. Wahrscheinlich habe ich sie deswegen gewählt. Ich weiß nicht, warum. Es hat mir danach auch voll leid getan, weil ich es einfach nicht gewollt hab. Ich hatte auf dem Heimweg richtig Schiss vor den Hochrechnungen, aber als sie dann im Fernsehen die Ergebnisse gebracht haben, war ich erleichtert, weil die SPD trotz allem die stärkste Kraft geblieben ist und die AfD nicht regierungsfähig ist, weil niemand mit ihr koalieren möchte.

Den Geburtstag haben wir dann zu fünft verbracht mit Oma und Opa. Die sind zu Besuch gekommen und wir haben am Wohnzimmertisch Kuchen gegessen. Ich wäre am liebsten schon im Zug gewesen, dann hätte ich mir im Bordbistro für 5 Euro ein Bier gekauft und wäre aufs Klo zum Wichsen gegangen. Und dann hätte ich mir für nochmal 5 Euro nochmal ein Bier gekauft, scheiß drauf.
Aber wir saßen einfach nur blöd beim Kuchen und nichts war cool, und dann hat mein Papa plötzlich gefragt: „Magst du ein Bier?“ Und ich habe zuerst gedacht, er meint den Opa, aber er hat mich gemeint, und ich wollte zuerst schon den Kopf schütteln, habe dann aber doch gesagt: „Ja, okay.“ Und dann ist er aufgestanden und hat mir eines gebracht und die Mama hat so schockiert geschaut, das hat mich natürlich genervt. Auch dass ich es so langsam trinken musste, obwohl ich es am liebsten in einem Mal runtergestürzt hätte. Oma und Opa ist nichts davon aufgefallen. Die wissen eh nicht mehr viel. Als das Bier leer war, hat mein Papa zuerst so streng geschaut und dann gefragt, ob es noch eines sein darf. Und dann hat er auf einmal so ermunternd dazu gesagt: „Komm schon, ich trinke auch eines mit!“ Und deswegen habe ich wieder gesagt: „Ja, okay.“ Und dann haben wir eben zusammen Bier getrunken, mein Papa und ich, und mit der Zeit habe ich mir dann gedacht, dass ich meinem Papa von „Kochen mit Peter“ erzählen könnte. Oder von der Hochzeit. Aber dann habe ich mich schnell eines Besseren besonnen. Das war nur das Bier, das meine Nerven beruhigt hat. Das geht meine Eltern alles nichts an. Wenn das große „Kochen mit Peter“-Buch dann voll durch die Decke geht und ich erfolgreich und berühmt bin, können sie es von mir aus auch wissen, aber erst mal will ich das für mich behalten. Das ist besser so. Jeder hat sein eigenes Leben. Niemand braucht sich beim anderen einmischen.
Nach dem zweiten Bier war dann auch Schluss und der Geburtstag ging übelst zäh zu Ende. Ich habe mich richtig auf Zuhause gefreut. Meine Mama hat dann auch noch so geseufzt, lange nachdem schon alles abgeräumt war, und gesagt: „Jetzt trinkt unser Junge auch schon Bier.“ Und noch mehr so Blödsinn geredet, ganz gedankenverloren. Dass die Zeit so schnell vergeht. Und das alles so schnell vergeht. Und dass wir nicht ewig leben. Und ich hätte mir am liebsten eine Tüte über den Kopf gezogen oder mir die Ohren zugehalten. Und in der Nacht habe ich dann auch noch was aus dem Schlafzimmer gehört.