Guanabana

Wenn jetzt alles so weihnachtlich wird, wäre ich eigentlich froh, wenn alles einfach mal wieder gemütlich wäre und wir uns aneinander kuscheln, ganz liebevoll, wie andere Paare auch, und ohne dass es gleich wieder Zoff gibt oder es heißt: Scheidung!, weil ich angeblich so ein Arschloch geworden bin. Dann sagt sie auch wieder, dass ich es schon immer war, und so ergibt es dann wirklich keinen Sinn mehr, weil warum sind wir dann überhaupt so lange zusammen gewesen und haben später sogar noch geheiratet?
„Weil ich dumm bin, weil ich so dumm bin, weil ich so eine scheiß dumme Kuh bin!“, schreit sie dann und fängt schon wieder zu heulen an. Und was soll ich dann sagen? Mich regt es einfach nur auf. Mein letztes Weihnachten bevor ich blind bin, toll. Warum kann es nicht einfach mal sein wie in den Werbeeinblendungen? Warum setzt sie sich nicht so eine süße Weihnachtsmütze auf wie die anderen Frauen auch? Mit Glöckchen und allem …
Das Beste sind wahrscheinlich noch die Weihnachtspornos. Das hat so was schön Vertrautes, wenn da auf einmal auch alles so weihnachtlich ist. Aber die habe ich teilweise unter dem Jahr schon so viel geschaut, dass es jetzt gar nichts Besonderes mehr ist. Man kann da ja ewig zurück klicken und dann einfach alles anschauen, was im vorigen Dezember hochgeladen worden ist (oder dem davor oder dem davor, das geht echt ewig zurück, bis 2007 oder so, wo man sich schon denken kann „krass, wie jung war ich da noch“, wobei sich manches dann auch wiederholt, aber alles in allem gibt es wirklich viel zu sehen). Die Abstände, wo ich das schauen kann, sind an manchen Tage auch länger als an anderen, weil ohne Ständer ist es meistens einfach nur langweilig. Ein richtig derber Ständer ist was Schönes, das wissen viele Menschen gar nicht, wie prächtig sich das anfühlt. Frauen eh nicht, aber auch Männer. Ich glaube, da gibt es viele, die haben nicht so viel Kraft in der Körpermitte. Die kriegen das einfach weniger stark mit, wie das ist, wie das sein kann, wissen sie dann einfach nicht. Heute ist es aber auch bei mir irgendwie scheiße.
Ich hocke im Schlauch, ganz allein, und werde irgendwie gar nicht richtig betrunken, obwohl ich mir extra Rotwein und Ouzo mitbringen habe lassen. Mir wird eher unangenehm schwindlig. Das nervt. Vielleicht habe ich zu viel von den Säften getrunken. Früher musste man der höchste König sein, um so gute Säfte zu bekommen. Und selbst dann hatte man sie nicht immer vorrätig. Heute geht man einfach zu Aldi. Wahrscheinlich war der beste Saft von damals nicht so gut wie heute so einer für zwei Euro. Der Beste vom Aldi hat 21% Erdbeermark, 21% Traubensaft, 20% Apfelsaft, 19% Ananassaft, 11% Orangensaft, 5% Bananenmark, 2% Holunderbeersaft, 1% Passionsfruchtsaft und als Antioxidationsmittel noch Ascorbinsäure. Alles 100% direkt gepresst. So was hatte früher kein König, dieser Saft schmeckt einfach so gut. Besser als jeder andere Saft, den ich in meinem Leben bisher getrunken habe, und als ich klein war, gab es noch oft Säfte, da kenne ich mich also aus. Meistens war es so beschissener Apfelsaft oder Apfelsaftschorle. Wenn es der Gekaufte war, ging es noch, vom Selbergemachten von der Oma hat man die Scheißerei bekommen. Jedes Mal wieder. Keine Ahnung, warum den meine Eltern nicht einfach weggekippt haben. Aber manchmal gab es auch guten Saft.
Im Aldi-Prospekt stand auch ein neuer Smoothie, einer mit Guanabana. Meine Frau hat ihn vergessen und dann behauptet, er wäre schon aus gewesen. Klar, weil die den erst so bewerben und dann gleich ausgehen lassen. So ein Dreck. Aber ich habe mir Bilder von Guanabana angeschaut. Ich habe noch nie so eine Frucht gegessen und ich will das unbedingt trinken. Wenn sonst schon alles so scheiße ist, werde ich ja wenigstens noch so einen Smoothie mit Guanabana bekommen können. Pur gibt es das Zeug auch. Ich habe das gerade alles nachgeschaut. Da bestelle ich mir jetzt einfach eine Packung im einen Onlineshop, vielleicht ist sie morgen Vormittag dann schon da, das wäre der Hammer, dann würde der Tag wenigstens mal gut anfangen.

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Vermischungen

Ich kann es nicht besonders gut leiden, wenn meine Frau diese Teenager-Schuhe mit den schlechten Sohlen trägt. Die sehen zwar cool aus, aber nach einer Woche sind die Sohlen kaputt und meine Frau kauft sich die höchstens alle zwei, drei Monate neu. Was ihr da jeden Tag auf der Straße in die Fußsohlen reinsickert, das geht echt auf keine Kuhhaut. Ich hab solche Schuhe früher auch mal angehabt, ich weiß wie das ist. Nach zwei Metern sind die Socken nass. Und dann geht der ganze Dreck von der Straße in den Fuß. Und man bekommt auch ganz üble Fußballen davon. Ich weiß nicht, wie man so was als erwachsener Mensch noch tragen kann. Wo die Füße eh schon langsam hornig werden. Und als ob man nicht genug Vermischungen ausgesetzt wäre. Allein durch die ganze Luft und alles. Die Asiaten tragen inzwischen auch in Deutschland oft Atemschutzmasken, aber die Deutschen sind dafür zu dumm und zu feige. Weil sie immer Angst haben, dass jemand sie auslachen könnte. Das ist die schlimmste Angst der Deutschen. Deswegen sind sie so oft so brutal und gemein zu anderen. Wegen ihrer blöden Angst vor allem. Dabei kann man Ängste überwinden. Oder einfach drinnen bleiben. In der Wohnung, meine ich. Als Deutsche*r hat man doch immer die Wahl. Also in Deutschland jedenfalls.
Ich weiß von vielen Situationen, die einfach unangenehm sind. Wenn in der Straßenbahn alle schwitzen und es so eng ist und die Schweißpartikel von allen durch die Luft fliegen und sich dann beliebig wieder absetzen, auf dem Gesicht von egal wem, oder im Nacken, ober überall wo nackte Haut ist, oder durch das Einatmen in den Körper aufgenommen werden, das ist das Schlimmste. Das ist oft schon so, wenn zwei miteinander sprechen, dass sich da wahnsinnig viel vermischt, also nicht nur geistig, sondern eben auch körperlich. Ich kann das inzwischen gar nicht mehr mit ansehen, wenn sich meine Frau länger mit jemandem unterhält. Ich frage mich auch, warum das sein muss. Jeder hat inzwischen WhatsApp oder SMS, da kann man doch auch einfach schreiben. Es wurde noch nie so viel schriftlich kommuniziert wie heute, das hat doch Gründe!!! Aber meine Frau ist eine von denen, die es nur glauben, wenn es im Fernsehen kommt oder in irgendeinem Blog steht. Also, irgendeinem von den Blogs, die sie cool findet. Wenn ich mal einen Blog empfehle, dann ist das von vorneherein nur dummes Zeug, das sich irgendein Idiot ausgedacht hat. Als ob es die ganzen Bloggerinnen, die sie liest, so viel besser wüssten. Aber darüber rege ich mich gar nicht auf, das geht alles von zu Hause aus, das Bloglesen und so weiter – der blöde Job von ihr geht aber nicht von zu Hause aus! Und was sie da eigentlich macht, weiß ich immer noch nicht so genau.
Ich wollte inzwischen selber mal bei einer dieser Nummern anrufen, aber seit ich danach Ausschau halte, sehe ich nur noch Zettel, wo alle Nummern schon abgerissen sind. Früher hingen da immer noch ein paar Nummern dran, wenn nicht alle, aber jetzt wo man sie braucht, sind sie alle weg. Ich bin schon zweimal extra deswegen rausgegangen. Einmal hat mir ein Schwarzer direkt vor der Nase die letzte Nummer weggeschnappt. Direkt vor der Nase ist übertrieben, weil ich noch ein paar hundert Meter weit weg war, also zu weit, um zu rufen. Aber dann habe ich doch gerufen, aber der Typ hat es nicht kapiert, dass er gemeint ist, und dann sehe ich, dass ein Bus kommt, und der Typ will einsteigen und ich fange an zu rennen, aber da ist er schon im Bus und weg.

Hartes Zeug

Das Rapsöl ist deswegen so gefährlich, weil da der Rauchpunkt schon bei 140 Grad liegt. Bei Olivenöl liegt er erst bei 180 Grad. Eine normal Herdplatte wird aber 300 Grad warm und in der Pfanne sind es dann immer noch 200, wenn man nicht aufpasst. Kochen geht, da kann man Öl mit reinkippen so viel man will, weil da verdampft das und dann wird es nicht giftig. Braten ist aber grundsätzlich gefährlich. Da ist der Rauchpunkt schnell erreicht und dann entsteht der giftige Stoff, ich habe seinen Namen vergessen. Ich wusste ihn vorhin schon mal, jetzt fällt er mir aber nicht mehr ein und ich habe keinen Bock nochmal ewig danach zu suchen. Ich hatte früher viel mehr Lust auf Fachinformationen und das alles, aber wenn alle um einen rum immer blöder werden, sehe ich auch nicht ein, mich selber ständig schlau zu machen. Und das dann am besten noch mit anderen zu teilen. Was habe ich denn davon? Ich merke das bei Facebook, da sind wirklich fast alle dumm. Und alle teilen dummes Zeug, auch die, die vielleicht gar nicht so richtig dumm sind. Wenn die mal was wissen, behalten sie es hunderpro für sich. Ich bin ja schon bereit zu teilen, aber inzwischen interessiert mich alles auch gar nicht mehr so genau. Warum auch?
Braten fand ich mal super, aber das mache ich kaum noch, ich mache auch keine Brotzeit mehr. Ich kann das ganze harte Zeug nicht mehr essen. Kaum beiße ich in eine Semmel (oder Brötchen oder Schrippe), ist das ganze Ding voll Blut. Und wenn ich sie aufgegessen habe, hängt mir der Gaumen in Fetzen. Das ist doch scheiße.
Brot mit Sekt und Bier und vielleicht noch so einem Dip, das fand ich früher mal super, aber ach, eigentlich auch egal, das kenne ich ja alles schon. Zur Zeit gibt es immer Brei. Also Haferflocken mit ein bisschen Wasser heißgemacht, dann ein bisschen Suppenpulver rein und zum Schluss noch ein Stück Margarine. Das Rezept habe ich noch nicht veröffentlicht, aber das kann ich mir, denke ich sparen, wenn man es hier gelesen hat, kann man es ja einfach nachkochen. Dann brauche ich auch kein Foto für den Blog machen.
Den Brei gab es früher immer, als kleines Kind. Das war eh die beste Zeit, als kleines Kind, als noch alles neu und interessant war. Als kleines Kind ist einfach automatisch alles okay, als Erwachsener braucht man dann Alkohol.

Warnung: Wichtig!!! Rapsöl

Rapsöl in Glasflasche, blühendes Rapsfeld
Rapsöl in Glasflasche, blühendes Rapsfeld

Falls ich irgendwo mal geschrieben habe, dass Ihr Rapsöl zum Braten nehmen könnt, macht das auf keinen Fall! Die Omega-3-Säuren werden beim Braten giftig! Da bilden sich Krebserreger! Alles schmeckt ganz normal, aber man sollte es auf keinen Fall essen! Bitte merken!!!

P.S.: Ich weiß nicht, warum da steht „Rapsöl in Glasflasche, blühendes Rapsfeld“. Voll scheiße, ich weiß nicht, wie das weggeht. Das hat es automatisch hinzugefügt. Das gehört nicht zu dem Bild. Das habe auch nicht ich geschrieben.

Andere Leute

Zu Leuten, die meine Frau kennt, gehen wir an Silvester auch nicht. Nur falls da Unklarheit bestanden haben sollte. Wir haben das ausdiskutiert.
„Du hast so einen scheiß Charakter“, wurde ich während der Diskussion beschuldigt, aber ich habe nur gesagt: „Wenigstens verhalte ich mich nicht wie jemand mit einem scheiß Charakter!“ Das hat sie eingesehen, dass das Sinn ergibt. Das hat sie kapiert. „Wenn einer hundert Mal am Tag darüber nachdenkt, einer alten Dame über die Straße zu helfen, es aber kein einziges Mal tut“, habe ich gesagt, „dann hat er vielleicht edle Gedanken, aber wem bringen die was?“ Darauf hat sie nicht dagegen geredet. Nicht dagegen geredet heißt i.d.R. einverstanden oder kapiert oder jedenfalls was für mich annehmbares. Ich also weiter: „Anderes Beispiel: Jemand überlegt sich hundert Tage, dass er seine Rezepte aufschreiben und mit anderen Leuten teilen könnte, weil das den Leuten eine Freude macht und die Gesellschaft bereichert, dann ist er aber jeden einzelnen Tag zu faul dafür und am hundertersten Tag auch noch. Und rate mal, was am hundertzweiten passiert? Nichts natürlich. Zu faul, nichts dahinter, hinter den guten, edlen Gedanken. Die haben also meinetwegen alle einen guten Charakter, aber wem bringt das was? Wenn sich einer denkt: Die alte Dame, das Biest, von mir aus soll sie vom Lastwagen überrollt werden! Und dann aber hingeht und ihr trotzdem über die Straße hilft, wer hat dann was davon? Die alte Dame! Und die Leute, die die gute Tat sehen! Weil sie vollbracht wurde! Die sind gerührt und gehen mit einem guten Gefühl nach Hause. Vielleicht machen sie es sogar mal nach, und dann gehen noch mehr Leute mit einem guten Gefühl nach Hause und machen ihrem Ehepartner deswegen vielleicht was schönes zum essen, und wer weiß, vielleicht gelingt dem ein oder anderen so ein tolles Essen, dass er sogar einen Blog aufmacht, mit dem Rezept, und dann noch einem und noch einem … und die Rezepte machen dann wieder den Leuten solche Freude, dass sie vielleicht für andere was Gutes tun. TUN! Verstehst du? Nicht darüber nachdenken und sich dann noch toll vorkommen, wegen dem guten Charakter. Guter Charakter, das ich nicht lache!“ So eine Ansprache wirkt natürlich, sogar bei meiner Frau. Logik kommt einfach an. Darum mache ich weiter: „Klar gibt es welche, die haben beides, edle Gedanken und edle Taten. Aber wie viele sind das? Und wie oft kommt das vor, dass das jemand bis zu seinem Tod durchzieht? Da bleibt am Ende fast keiner übrig, irgendwann mischen sich immer unedle Gedanken drunter. Und wenn es nur kurz ist. Und dann nochmal kurz. Das geht so schnell. Und dann auf einmal, wie ließe sich da noch von einem guten, also einem wirklich guten Charakter sprechen? Wenn erst mal so was und so was gedacht wurde. Sag mir das mal, sag es mir!“ Und darauf hat sie auch nichts gesagt, und damit war die Diskussion beendet. Silvester bleiben wir also zu Hause. Oder egal was wir machen. Jedenfalls nichts mit anderen Leuten.

Ein Freund

Die Krähen machen mich fertig. Langsam wird es kälter draußen, aber mir ist es trotzdem immer heiß, und die Krähen hören nicht auf zu schreien, und jeden zweiten Tag kommt von irgendwoher diese Affenmusik. Ich kann gar nicht genau sagen, von wo. Vielleicht von den Nachbarn, die sind eh so musikalisch. Zuerst klingt es immer als käme sie von weiter weg, aber dann schaue ich im Internet nach, ob es schon wieder irgendwo was zu feiern gibt und dann finde ich meistens nichts. Und außerdem wird es manchmal lauter und leiser oder mitten im Lied wird zum nächsten Lied geschaltet, das müssen Privatleute sein. So einen Scheiß gibt es dann bei öffentlichen Veranstaltungen auch wieder nicht, obwohl wer weiß. Die Leute merken oft gar nicht, wie scheiße sie herummurksen.

Zu Silvester gehen wir dieses Jahr nirgends hin. Da wo wir letztes Jahr waren eh nicht, und sonst aber auch nirgends. Von den meisten Leuten hört man eh nie wieder was.
Ich hatte genau einmal einen richtigen Freund.
Damals war ich gerade hergezogen und deshalb dachte ich, dass ich ja mal spazieren gehen kann. Um mir alles anzuschauen, und dann bin ich ein Café oder eine Kneipe gegangen und saß da ein bisschen rum und dann haben wir uns kennengelernt. Wir sind einfach so ins Gespräch gekommen. Die Unterhaltung war dann ganz cool, und deshalb haben wir gleich ziemlich viel getrunken und danach ist er sogar noch mit zu mir gekommen und wir haben noch was von der Tanke mitgenommen, und am nächsten Morgen zum Frühstück haben wir gleich wieder was getrunken. „Konterhalbe“, hat er gesagt, und das fand ich so lustig, auch weil es so gut gepasst hat und ich das zuvor noch nie gehört hatte. Wir haben das dann noch an zwei oder drei Wochenenden gemacht, einfach so getroffen. Ich bin auch mal zu ihm gekommen, und er hat gesagt: „Fühl dich wie zu Hause, das ist ganz normal.“ Also, dass ich mir alles nehmen darf, hat er gemeint, wenn ich Lust auf ein Bier habe oder auf ein Brot mit irgenwas drauf. Das war zuerst ungewohnt, aber ich habe mich von seiner lockeren Art anstecken lassen. Und dann war wirklich alles ganz normal. Ich habe mir einfach was aus der Küche geholt, wenn ich Bock hatte, und es war die ganze Zeit lustig. Ich habe einfach ein Messer aus der Schublade genommen und Senf aus dem Kühlschrank fürs Brot, und als ich den Senf zurückstellen wollte, kam er gerade vom Klo und meinte: „Lass doch einfach draußen stehen, ist doch scheißegal, so schnell wird Senf nicht schlecht, bloß weil er draußen steht, und wenn doch ist es auch scheißegal, prost!“ Und dann haben wir angestoßen, wir haben eh die ganze Zeit angestoßen, das war einfach immer wieder lustig. Ich weiß auch nicht wieso, war es einfach.
Und dann bin ich einmal zu ihm gekommen und er meinte, dass wir gleich noch wo hingehen, zu ein paar Kumpels von ihm, und da wäre ich am liebsten gleich wieder heimgegangen, aber das kann man ja auch nicht bringen. „Die sind auch alle cool“, höre ich ihn noch sagen. „Die sind locker, keine Sorge.“ Also sind wir eben hin. Und ich war recht still an dem Abend, weil die anderen so viel geredet haben, aber ich habe genauso mitgetrunken und auch angestoßen, es gab mehrere Kisten Bier, und der Gastgeber, also einer von diesen Kumpels, hat nie was gesagt, wenn ich mir eines genommen habe. Ein bisschen komisch angeschaut hat er mich, aber ich wusste nicht warum. Ich habe mir überlegt, dass er vielleicht neidisch ist, weil ich jetzt auch mit seinem Kumpel befreundet bin, aber dann dachte ich wieder, dass es vielleicht doch nicht stimmt.
Irgendwann habe ich dann Hunger bekommen und dann bin ich ganz normal aufgestanden, wie zuvor auch schon öfters, wenn ich aufs Klo musste, nur dass ich halt in die Küche gegangen bin, die gleich neben dem Klo war, und da habe ich mir einen Toast genommen und wollte gerade schauen, was es noch gibt, da stand der Typ plötzlich hinter mir. Total wütend, richtig schnaubend. Der hat sich angeschlichen und dann nur so gemeint: „Aha!“ Und dann hat er mich am Kragen gepackt und in den Raum mit den anderen gezerrt. Ich hatte immer noch die Scheibe Toast in der Hand. Ich habe plötzlich richtig gezittert. Und dann ruft er so, dass es alle hören, bestimmt fünf, sechs Leute: „Schaut euch den an!“ Und alle schauen mich an. „Geht einfach in die Küche und nimmt sich! Wie lange kennen wir uns jetzt? Weißt du überhaupt wie ich heiße? Was fällt dir ein in meine Küche zu gehen und dir einfach zu nehmen?“ Und dann wieder zu den anderen: „Glaubt ihr das? Für wen hält der sich?“
Zuerst war es still, dann hat mein Freund gesagt: „Komm schon, beruhige dich. Ist doch nicht so schlimm.“
Und dann der Gastgeber wieder: „Nicht so schlimm? Nicht so schlimm!!? Was ist das für ein Arschloch? Kommt in mein Haus, trinkt mein Bier, sagt nicht einmal danke, sagt eh nichts … was bildet der sich ein? Der Typ ist nicht mein Freund! Denkt er, er wäre mein Freund?“ Und zu mir, während er mich schüttelt: „Denkst du, du wärst mein Freund? Beklaut man seine Freunde!?“ Und dann wieder an alle: „Nimmt man sich einfach ohne zu fragen!? Macht man das!? Nein! Weil das ist klauen!! Geklaut wird nicht in meinem Haus!!!“ Und dann ließ er mich plötzlich los. Ich wusste nicht, was ich machen soll. Dann hat er gesagt: „Setz dich.“ Und ich bin zu meinem alten Platz gegangen und habe mich hingesetzt. Ich hatte plötzlich überhaupt keinen Hunger und keinen Durst mehr und konnte mir gar nicht vorstellen, jemals wieder welchen zu haben. Die Runde war dann schnell wieder lauter. Ich habe an dem Abend noch ein, zwei Mal zum Gastgeber hingeschaut, aber dann nicht mehr, weil ich nicht riskieren wollte, dass sich unsere Blicke treffen.
Irgendwann ist mein Freund eingepennt, aber dann hat ihn zum Glück jemand aufgeweckt und wir sind gegangen. Unten vorm Haus haben wir uns dann verabschiedet. Es war nur ein Mietshaus mit mehreren Wohnungen, der Gastgeber hatte auch nur so eine Wohnung. Es war gar nicht sein Haus, nur seine Wohnung. Und der Freund meinte dann: „Mach dir nichts draus.“ Und dann ist jeder zu sich nach Hause gegangen. Er hat dann noch zwei, drei Mal angerufen, aber da bin ich nicht rangegangen. Danach habe ich nichts mehr von ihm gehört. Nie wieder. Er hat dann auch nicht nochmal angerufen. Er hat es einfach sein lassen. Und das war es dann mit der Freundschaft. So schnell kann das gehen.
Manchmal denke ich, was gewesen wäre, wenn wir an dem Abend nicht zu seinen Kumpels gegangen wären. Oder wenn wir die einzigen Kumpels gewesen wären und sonst beide keine gehabt hätten. Vielleicht wären wir dann immer noch gemeinsam unterwegs. Aber so ist es halt nicht und seitdem kann ich auf so was auch genauso gut verzichten.